Angst - #schreibzeit



Als ich das neue Thema für die #schreibzeit gelesen habe, dachte ich zuerst das ist nichts für mich. Denn wer schreibt schon gerne über seine Ängste? Ich persönlich habe viele davon, gut versteckt unter meiner realistischen Art und positiven Gedanken. Dennoch sind sie nicht zu leugnen und irgendwann kommen sie ans Tageslicht. Mal mehr, mal weniger offensichtliche Ängste wie beispielsweise Höhenangst oder davor, einen lieben Menschen zu verlieren. Am schlimmsten sind für mich aber Horror und Psychothriller - egal ob als Film, Buch oder Hörbuch. Denn sie bereiten mir Alpträume.

Dass man sich nicht gerne mit seiner Angst auseinander setzt, ist ganz normal. Zuerst wollte ich einen positiven Beitrag schreiben, etwa wie man sich seinen Ängsten stellt oder was es für Tipps bei Angstattacken gibt. Ich kenne einige liebe Menschen, von denen ich weiß dass sie regelmäßig mit solchen Attacken zu kämpfen haben. Es ist allerdings noch viel viel schwerer, sich dann Hilfe zu holen oder daran zurück zu erinnern, was mal als Tipp irgendwo aufgezählt wurde. Also wollte ich lieber doch keine Tipps aufschreiben.

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die einen einfach nicht mehr los lassen. Am Samstag habe ich zusammen mit meinem Freund dessen Eltern zum Flughafen gefahren. Als wir gegen mittag wieder da waren, wollten wir uns ein bisschen hinlegen. Alles war ganz normal, ich schaute mir noch ein kleines YouTube-Video auf meinem Handy an während er etwas kaltes zu trinken besorgte. Und dann war da diese Werbung. Normalerweise finde ich die Werbung auf YouTube nicht allzu schlimm, doch heute wurde der Trailer zu einem neuen Film gezeigt ("Don't breathe") bei dem ich wie paralysiert war, nicht fähig ihn weg zu klicken oder meine Augen zu schließen. Wenn ich solche Trailer sehe, von denen ich ein mulmiges Gefühl bekomme, lese ich mir normalerweise einfach auf Wikipedia den kompletten Plot durch und gut ists sozusagen. Genau das habe ich dann auch getan, mich danach an meinen Freund gekuschelt und bin eingeschlafen.

Und dann kam der Alptraum.


Ich hasse meine Alpträume, denn meistens wache ich erst auf, wenn meine Panik im Traum sehr, sehr groß wird. Ich bin machtlos, gefangen in meinem eigenen Kopf. Am Samstag fing der Traum eigentlich sehr schön an, ich war mit einem Freund in China und wir haben Urlaub gemacht. Eines Abends sind wir zurück in unser Hotel gegangen und machten uns fertig, er im Schlafzimmer und ich im Bad. Mit einem Mal begann die Erde zu beben. Innerhalb von Sekunden wurde es so schlimm, dass ich auf dem Boden lag. Und dann neigte sich das Zimmer, ich rutschte an die Wand - und das Zimmer kippte um. Das Hochhaus, in dem wir waren, brach auseinander und der obere Teil drehte sich und fiel. Und wir waren darin. Mein Körper wurde an die Decke gepresst, ich spürte einen unheimlichen Druck, der mich an die Decke presste - wir fielen. Mein Freund schrie, doch ich konnte ihn nicht sehen und war alleine mit meiner Angst. Und in dem Moment dachte ich "Scheiße, das ist kein Traum. Ich sterbe jetzt." In dem Moment wachte ich auf. Wie jedes Mal, wenn ich in meinen Alpträumen sterbe.
Ich sah mich um, registrierte das Zimmer von meinem Liebsten und wollte mich entspannen, doch die Panik und der Druck auf meinem Körper ließen erst nach ein paar Minuten nach. Der Herr Freund schlief auch und murmelte etwas im Schlaf.

Wenn so etwas passiert, bin ich alleine. In meinem Kopf, im Schlaf - oft hilft es mir danach, darüber zu sprechen und das mache ich häufig, sofern ich mich an die Träume erinnere. Eins haben sie meistens gemeinsam: Ich lasse danach das Licht an, um weiter zu schlafen. Da bin ich ganz Kind und fühle mich dann einfach viel viel besser. Also haben wir hier vielleicht doch einen kleinen Tipp zwischendurch ;)

Manchmal wache ich aber nicht so einfach auf. Dann blinzel ich, bin fast in meinem Zimmer - und schaffe es nicht, wach genug zu werden, um dem Traum zu entkommen. Ich weiß dann meistens, dass ich schlafe, aber es hilft nicht. Immer, wenn ich mir eine Lösung erträume, oder gar entkomme - es wird wieder schlimmer. Nach dem Film 96 Hours habe ich sehr lange von Entführungen geträumt. Wie unser Haus besetzt wurde und wie ich entkam - aber dann wieder zurück ging, um meine Familie und Freunde zu retten. Man könnte ganze Filme aus meinen Träumen machen und hätte genug Material für diverse Actionfilme. Oder Dramen. Und Horrorfilme. Dabei schaue ich genau aus diesem Grund keine Horrormovies mehr... Ich finde sie wirklich richtig schrecklich und finde wirklich nichts aufregendes daran, oder gar lustig. (Es hilft auch KEIN STÜCK mir klar zu machen, dass es nur ein Film ist!)

Diese Machtlosigkeit macht mich manchmal richtig fertig. 


Das einzig Gute daran: Sollte mich tatsächlich mal jemand Kidnappen, würde ich vermutlich denjenigen auslachen und sagen: "Genau davon hab ich schon mein Leben lang geträumt!" - wer da nicht weg läuft ist selbst schuld ;) Aber mal im Ernst: Genau diese Träume haben mich für andere Dinge sensibilisiert. Wir verlieren täglich so viel Zeit, uns Gedanken zu machen über Dinge, die passieren könnten. Statt einfach mal zu Leben. Ich spreche Dinge an, die unangenehm sind und versuche mich Situationen zu stellen in denen ich mich unwohl fühle. Dass nicht jeder einen anderen Effekt hat als schlaflose Nächte und Panik ist mir durchaus bewusst, doch ich glaube wirklich daran dass die Alpträumen einen großen Teil meiner Persönlichkeit geprägt haben. Ich lasse nicht zu, dass es mich runter zieht. Das ist eine Entscheidung, die ich nach jedem Traum aufs neue treffen und Leben muss. Wenn ich die eine Nacht mein Licht brauche, ist das okay. Aber dann schreibe ich den Traum auf (meist per Whatsapp an meine Besten oder den Herrn Freund) und versuche herauszufinden, was der Auslöser dafür war. Und je mehr ich mich mit dem Traum beschäftige, desto besser geht es mir. Aber will ich mich jedes Mal an schreckliche Dinge erinnern? Bestimmt nicht. Doch tue ich es nicht, verfolgt er mich. Früher hatte ich oft jede Nacht den selben Traum, der mich voller Panik zurück ließ. Eine nie endende Schreckensnacht, die immer ein Stückchen weiter ging. Was soll ich sagen? Heute weiß ich nicht mal mehr genau, was das Thema war. Die Gewissheit, dass es vorbei gehen wird, war damals manchmal das einzige, was mich beruhigte. Jetzt habe ich für mich zumindest herausgefunden, wie ich die Nachwirkungen erträglich machen kann. Aber ich arbeite weiter daran.

So, jetzt habe ich aber genug über schlechten Schlaf geredet! :) Aber an dieser Stelle möchte ich noch folgendes sagen: Es ist nicht gewöhnlich, mal auszupacken und mir fällt es wirklich schwer, jemand anderem als meinen Freunden davon zu erzählen. Genau so geht es garantiert auch den anderen Teilnehmern der #schreibzeit - niemand sucht sich aus, wovor er Angst hat. Das schlechte Gefühl ist aber das selbe. Ich fühle mit jedem, der Angst vor der Nacht und dem Schlaf hat. Fühlt euch alle gedrückt! Hoffentlich fühlst du dich jetzt zumindest weniger allein, das wäre schön :)

Wenn du auch Alpträume hast oder Angst vorm einschlafen: Schreib mir doch. Egal ob in den Kommentaren, bei Instagram (@mitternachtsspiegel) oder per Mail - ich würde gerne deine Erfahrungen und vielleicht sogar Tipps austauschen. Zusammen ist man weniger allein, findest du nicht?

Ich hoffe jetzt, dir hat dieser sehr private Post gefallen - ich war mir tatsächlich extrem unsicher, ob ich das wirklich veröffentlichen soll. Aber vielleicht ist eine ordentliche Portion Mut ja genau das, was da helfen kann?

Liebste Grüße,
Nessa
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